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Granada - Ein Traum !

von "Katharina"

Samstagabend, Plaza Nueva, Granada. Hier bin ich mit Mamen verabredet, Vermieterin meines Appartments. Mit einer halben Stunde Verspätung kommt sie, Küsschen links, Küsschen rechts, rauscht mit mir in eine kleine enge Seitengasse, schließt die Tür eines Wohnhauses auf, fährt mit mir in den sechsten Stock, erklärt mir alles und verschwindet wieder mit den Worten: „Und vergiss bitte nicht, die Pflanzen zu gießen!“

Der Blick von der Dachterrasse: Ein Traum! Rechts wie eine Primadonna die Alhambra, geradeaus der Berg Sacromonte mit den Höhlenwohnungen der Zigeuner und links der Hügel, auf dem das alte maurische Viertel „Albaicín“ angesiedelt ist. Der Himmel wird langsam dunkel, die rote Alhambra erstrahlt im Scheinwerferlicht, das Summen der turbulenten Plaza Nueva und die Gerüche der exotischen Speisen aus den Bars unten auf der Straße rufen mir zu: "Endlich angekommen!"

Am Sonntag versuche ich, im Gassen- und Treppengewirr des Albaicín den Weg zu meiner Sprachschule zu finden, an der ich ab Montag Unterricht haben werde. Ich verirre mich hoffnungslos zwischen Treppen, kleinsten Plätzen, schönen Häuschen mit Blumengärten (so genannten „Carmen“), kleinen Kirchen, Mini-Läden, kleinen Tapas-Bars und arabischen Teestuben. Und plötzlich stehe ich vor der Schule.

Montag. Die Atmosphäre in der Schule ist einmalig, und die Lehrer verfügen über einen ausgesprochen hohen Unterhaltungswert. Die Schüler kommen aus der ganzen Welt: Südafrika, San Francisco, Australien, Mittelamerika, den USA und einigen europäischen Ländern. Die Pause verbringen wir unter duftenden Orangenbäumen in einem kleinen sonnendurchfluteten Garten, erzählen uns, woher wir kommen und wohin wir wollen und verabreden uns für den Abend.

Der Flamencosänger und sein Gitarrist in dieser winzigen Bar sind ein absoluter Hochgenuss! Dazu plaudern wir alle spanisch miteinander – so gut es eben geht. Englisch wird nur im absoluten Notfall eingesetzt. Das uns verbindende Element ist schließlich, dass wir Spanisch lernen wollen. Wobei ich mit meiner einen Woche Aufenthalt die große Ausnahme bin. Die durchschnittliche Verweildauer der Leute dort beträgt rund vier Wochen, eine Deutsche ist sogar für elf Wochen dort – sie hat die Jahresurlaube vom letzten und von diesem Jahr dafür eingesetzt.

Vom Aussichtspunkt St. Nicolas bietet sich ein sensationeller Blick auf die Alhambra und über den Albaicín. Ich setze mich auf eine Mauer und erledige die Hausaufgaben für den nächsten Tag. Der Platz ist Treffpunkt für bunte Aussteiger, Neo-Hippies, Spontan-Musiker und Kiffer. Einige bieten selbstgefertigten Schmuck an, eine alte Spanierin versucht, Kastagnetten zu verkaufen. Da ihr das ohnehin nicht gelingt, klappert sie kurzerhand bei der Percussion-Improvisation einiger exotisch gekleideter Jugendlicher mit.

Von hier aus ist es nicht mehr weit bis zum Sacromonte, dem Berg mit den auch heute noch aktuellen Höhlenwohnungen. Für mich die geheimnisvollste Ecke von Granada. Man findet dort einerseits Höhlen mit einer vergitterten und einem Schloss versehenen Tür davor, andererseits auch Höhlen, die inzwischen schicke Vorbauten sowie Strom- und Wasseranschluss haben. Der Flamenco ist hier entstanden und auch heute noch angesiedelt. Viele touristische Flamencobühnen (tablaos) haben sich in diesen Höhlen etabliert.

Die ganze Stadt ist voller Musik. An jeder Straßenecke hört man Flamenco oder arabische Klänge. Der alte maurische Einfluss ist überall noch zu spüren. Morgens auf dem Weg zur Schule steige ich die Caldereria hoch, wo die arabischen Händler ihre Läden aufschließen und mich freundlich grüßen. Mittags, auf dem Weg zurück, herrscht dort buntes Treiben. Farben, Gerüche, Musik und dunkelbraune Augen mit langen seidigen Wimpern entführen mich in eine Illusion aus tausendundeiner Nacht.

Am Abend sind wir auf einer privaten Fiesta einer Flamenco-Lehrerin in eine Höhlenwohnung eingeladen. Sie tanzt vor, begleitet von drei tollen Musikern, darunter ein sensationeller Sänger. In der Pause gibt es Tapas und Sangria. Ich trinke zum ersten Mal Sangria blanca, ein exotisch anmutendes Getränk aus Weißwein, irgendeinem Likör und vielen hellen tropischen Früchten. Wir steigen auf das Dach der Wohnung, und unter uns liegt das Lichtermeer Granadas. „Wow!“, sagt einer aus San Francisco, „it’s like San Francisco!“

Die Pause ist vorbei. “Wer kann Sevillanas tanzen?”, fragt die Flamenco-Lehrerin. Außer mir melden sich noch ein japanisch aussehender junger Mann aus Australien und eine Französin. Während wir zusammen Flamenco tanzen, beschließe ich: „Ich komme wieder! Und zwar für länger!"


Aktualisiert: 09.10.2004


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