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Seit der Franco Ära brechen die alten, verkrusteten gesellschaftlichen Strukturen in Spanien immer mehr auf. Doch trotz dieses Umbruchs ist die Familie für die Spanier immer noch das höchste Gut und daran wird sich auch erst einmal nichts ändern.

Patriarchart
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Obwohl sich Spanien seit dem Ende der Franco-Ära gesellschaftlich immer mehr im Umbruch befindet, besteht dort immer noch die gute alte Familienhierarchie.

Das männliche Geschlecht gibt in der Familie immer noch den Ton an. Es gibt also noch den klassischen spanischen Macho! An der Spitze der Hierarchie steht der Großvater, gefolgt von dem erstgeborenen Sohn und dessen Erstgeborenen. Natürlich lassen sich die Paschas von den weiblichen Familienmitgliedern von hinten bis vorne bedienen und bemuttern.

Dieses verkrustete und überkommene Sittenverhalten verliert allerdings immer mehr an Einfluss, da die spanische Frau, besonders in den (Groß-) Städten immer karrierebewusster wird und selber arbeiten geht. (mehr dazu unter Mann & Frau). Wenn man von ca. zwei Jahrzehnten gesellschaftlichem Rückstand im Vergleich zu Mitteleuropa ausgeht, wird das Patriarchart in Spanien bald ausgedient haben.

Politik & Gesellschaft
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Wie oben schon erwähnt, verliert das Patriarchart aber auch das Sippendenken immer mehr an Einfluss. Die spanische Frau hat sich mit aller Macht und einem ausgeprägten Karrierebewusstsein an die Arbeitsfront gestürzt. (Das bedeutet allerdings nicht, dass sie sich auch im Sinne der Gleichberechtigung emanzipiert hat. Bis dahin ist der Weg noch weit! Mehr dazu unter "Mann & Frau"). Die Heirat verliert immer mehr an Wert. Der Bund des Lebens wird immer später oder gar nicht mehr geschlossen. Auch die Scheidungsrate nimmt immer mehr zu. Das bedeutet natürlich für die Frau, dass sie unabhängiger sein muss und nicht mehr nur Hausfrau und Mutter sein darf/muss. Außerdem muss die Frau aufgrund der Sozialstruktur, der Teuerungsrate und der Niedriglöhne zum Lebensunterhalt beitragen.

Spanien ist leider immer noch ein Land, das bei Familien- und Sozialbeihilfen mauert. Es wird noch nicht mal Kindergeld bezahlt, was zur Folge hat, dass in diesem eigentlich kinderfreundlichen Land die Geburtenrate in den Keller geht, was wiederum zu einer Überalterung im Land führt. Kinderkriegen ist in Spanien, mehr noch als in Deutschland, Luxus pur. Paare, ob nun verheiratet oder nicht, haben entweder keine Zeit (da beide berufstätig) oder kein Geld oder beides, um Kinder zu bekommen und zu unterhalten. Hier muss die Politik noch einige wichtige Änderungen/Reformen vornehmen.

Familienzusammenhalt
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Auch wenn das Sippendenken immer mehr an Wert verliert, ist doch der Familienzusammenhalt bei den Spaniern immer noch groß. Dies hat allerdings eher eine soziale und wirtschaftliche bzw. politische Ursache. Die Teufelspirale der Niedriglöhne, die überteuerten Wohnungen und die Teuerungsrate generell aber auch die Tatsache, dass Arbeitgeber in der Regel keine Langzeitarbeitsverträge abschließen, hat zur Folge, dass der Übergang vom Elternhaus zum "Partnerschaftshaus" (bzw. zur Lebensgemeinschaft) fließend ist. Der Altersklasse der 18 - 35 jährigen fehlt häufig der wichtige Abschnitt der Unabhängigkeit, da das generelle Risiko aber auch die Ungewissheit einer kontinuierlichen Arbeit zu groß ist. Natürlich spielt in diese existenziellen Aspekte auch eine gewisse Bequemlichkeit hinein.

Die Kinder, die sich allerdings früh von ihren Eltern abnabeln und den Sprung in die Unabhängigkeit wagen, können sicher sein, dass die Familie Rückendeckung gibt und weiterhin (meist in weiter Ferne) als krisenfeste Institution im Hintergrund bleibt.

Dieser Familienzusammenhalt und -stolz bezieht sich natürlich auch auf die alten Familienmitglieder. Die Spanier schieben ihre Senioren nicht allzu leichtfertig ins Heim ab, sondern versuchen diese innerhalb der Familie zu versorgen und zu pflegen. Familienzusammenhalt aber auch Nachbarschaftspflege haben in Spanien (zumindest in den Dörfern und Kleinstädten) immer noch einen ganz großen Stellenwert, anders, als z.B. in Deutschland.

Kinder
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Wer schon einmal in Spanien war, hat es sicherlich bereits beobachtet: Kinder dürfen alles. Die Spanier sind sehr kinderfreundlich und lieben ihre Kinder. Sie erlauben ihnen alles ohne Einschränkung. Es käme keinem Spanier in den Sinn, die kleinen Rabauken mit Schimpf und Schande in die Schranken zu weisen (natürlich gibt es auch hier Ausnahmen). Selbst um Mitternacht turnen oft noch kleine Kinder am Strandspielplatz herum während sich die Eltern lautstark über Sport, das Wetter oder das neuste Kleid unterhalten. Ob auf der Straße oder im Restaurant, an lauten, fröhlichen oder schreienden Kindern stört sich kein Spanier. Kinder gehören zum Leben dazu, warum also aufregen?

In Spanien gibt es bereits ab dem Säuglingsalter Ganztageskindergärten, die nicht gerade billig sind. Obwohl sich die Gebühren nach dem Einkommen der Eltern richten, sind sie verhältnismäßig hoch. Nachteil dieser Kindergärten ist, dass sie eine zweimonatige Sommerpause machen, so dass Eltern, wo beide Elternteile berufstätig sind und die nicht gerade der Lehrergattung oder anderen Vielurlaubern angehören, Problem haben in dieser Zeit ihre Kinder zu betreuen. Wo also hin mit den Kindern? Aus staatlicher Sicht bleibt dies, genauso wie das Kinderkriegen, Privatangelegenheit.

Anders als in Deutschland ist die Kindergartenzeit mit drei Jahren beendet und die Kids können dann (müssen aber nicht) in die Vorschule gehen. Da es für dieses Alter (bis zur Grundschule) keine andere Einrichtung für Kinder gibt, müssen die Eltern ihre Kinder entweder in die Vorschule geben oder ihr Kind in häuslicher Umgebung durch ein Kindermädchen oder eben einem Elternteil betreuen lassen, was wiederum rein finanzielle Einbusen mit sich bringt.

Nach der Vorschule geht’s dann los mit der Schulausbildung. Zuerst machen die sechs- bis vierzehnjährigen eine allgemeine Grundausbildung (educatión general básica), danach folgt der dreijährige Weg zum Abitur (bachillerato) und mit 17/18 Jahren schließlich die einjährige Vorbereitungszeit auf die Universität (curso de orientación univeristaria). Spaniens Schulen sind übrigens in der Regel Ganztagsschulen.

Familienname
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Zum Schluss noch eine kleine Anmerkung zum spanischen Familiennamen. Der Familienname besteht aus zwei Namen und setzt sich aus dem ersten Nachnamen des Vaters und dem der Mutter zusammen. Die Tochter von Maria Rodríguez Gracía und José Villá Hierro hieße z.B. Manuela Villá Rodríguez. Frauen, die heiraten, nehmen in der Regel nicht den Familiennamen des Ehemannes an, sondern behalten ihren Geburtsnamen.


Aktualisiert: 20.01.2006


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