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Die spanische Wohnkultur ist genauso wie die spanische Esskultur sehr stark vom mediteranen Klima geprägt. Anders als die Mittel- oder Nordeuropäer legen die Spanier nicht so einen großen Wert auf ihre Wohnqualität, da ihr Leben in der Regel "draußen" stattfindet. Das mag zum einen an dem milden Klima liegen, zum anderen aber auch an der Mentalität bzw.Tradition.

Stadt- oder Landleben?
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In den letzte Jahren & Jahrzehnten hat eine starke Landflucht eingesetzt, da viele Spanier glaubten, in den Städten "ihr Glück" zu finden. Dies führte dazu, dass auf der einen Seite in den Städten Hochhaussiedlungen hochgezogen wurden und Satellitenstädte entstanden, und auf der anderen Seite Dörfer überalterten bzw. komplett verweisten.

Seit einiger Zeit jedoch entwickelt sich ("Gott sei Danke") ein neuer Trend, und zwar die "Zurück-zur-Natur-Bewegung", die viele Spanier umdenken läßt. Das äußert sich unter anderem darin, dass die "alten" Dorfbewohner in ihren Dörfern bleiben und viele Jüngere das Landleben neu entdecken und in den Dörfer wohnhaft werden.

Viele Städter (natürlich nur die, die es sich leisten können) ziehen in die umliegenden Dörfer. Dies hat wiederum zur Folge, dass Urbanisationen (künstliche Siedlungen) mit oft eintönigen Reihenhäusern aus dem Boden schießen, was das Landschaftsbild nicht gerade verschönert.Auch der grüne Tourismus wird immer beliebter, so dass es sich plötzlich lohnt Landhäuser zu renovieren und zu vermieten oder Bars und Restaurants auf dem (einsamen) Land zu betreiben. Einige Spanier haben sich dadurch eine neue Existenz geschaffen und gleichzeitig dazu beigetragen die alten Dörfer im Landesinneren wieder zu beleben.

So wohnen die Spanier
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Für die Spanier ist es scheinbar so eine Art Tradition in den eigenen vier Wänden zu leben. Lediglich 16% wohnen zur Miete. Da ein eigenes Heim jedoch auch seinen Preis hat, kaufen sich viele Spanier erst einmal eine kleine Eigentumswohnung in den "billigen" Wohnblocks der Trabantenstädte und geben sich mit Basiskomfort (dazu gehört vor allem Erdgas und Heizkörper) zufrieden. Wer es sich leisten kann kauft sich ein Reihenhaus in den Siedlungen der Vororte und umliegende Dörfern oder gar ein freistehendes Haus (Chalet oder kleine Villa). Die preiswertesten Wohnungen gibt es in den engen Altstädten. Doch dort will kaum ein Spanier freiwillig hinziehen, da der Lärm und die Unruhe durch die Bars und Läden zu groß ist, und die Wohnungen/Häuser stark renovierungsbedürftig sind. Außerdem ist das Parken in der Altstadt häufig äußerst problematisch.

Interessant ist, dass die Spanier wenig Wert auf ihre Wohnungseinrichtung legen. Hier steht die Funktionalität an erster Stelle. Spanische Wohnungen sind eher nüchtern (manchmal fast schon geschmacklos) eingerichtet. Was soll man sich auch groß Gedanken über die Wohnungseinrichtung machen, wenn man eh selten zu Hause ist, selten Besuch hat, und seine Freunde & Bekannten in der Regel auf der Plaza oder in der Bar trifft...

Neben der Wohnungseinrichtung scheint die Art der Wohnung auch eher nebensächlich zu sein. Die Zimmer sind oft sehr klein. Manche haben sogar noch nicht mal ein Fenster oder nur eins zum Treppenhaus/klitzekleinen Innenhof. Die Wohnungen sind häufig sehr eng, dunkel und bedrückend. Dies betrifft hauptsächlich die Hochhaus- und teilweise auch die Altstadtwohnungen.

Das einzige, worauf die Spanier bei ihrem Heim wirklich viel Wert legen, ist ein ansprechendes Bad, ein Aufzug und natürlich Erdgas und Heizung.

Die Plaza - Treffpunkt für Jung und Alt
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Anders als wir Nord-/Mitteleuropäer, halten sich Spanier gerne draußen auf. Sie sind Freiluftmenschen und verschließen sich nicht gerne in ihren eigenen vier Wänden. Das mag am Klima liegen, aber auch daran, dass Spanier nicht gerne alleine sind und den Kontakt zum Nachbarn, zu Bekannten, zum Freund suchen. Und wo findet man immer irgend jemanden zum Plaudern? Natürlich auf der Plaza (Platz) oder aber auf der Avenida (Straße).

Die Plaza ist nicht einfach nur ein Platz, sondern Treffpunkt, Kommunikationszentrum, Wohnzimmer, Jugendzentrum, Seniorentreff und Showbühne. Hier treffen sich alle, egal ob Jung oder Alt.

Schon morgens sitzen die Pensionistas (Renter) auf ihren Bänken oder mitgebrachten Klappstühlen und plaudern, tratschen oder beobachten was den ganzen Tag so passiert, während die Ehefrauen einkaufen oder spazieren gehen oder es sich aber in einer anderen Ecke der Plaza zum "Kaffekränzchen" gemütlich machen. Während der Siesta dann ist die Plaza wie ausgestorben. Aber bereits nach der Siesta gegen 17.00 Uhr füllt sich der Platz nicht nur mit den "Alten" sondern auch den Hausfrauen, Jugendlichen und später den berufstätigen Männern (und Frauen). Interessant ist, dass sich auf der Plaza immer Grüppchen bilden und keiner alleine ist. Interessant ist auch, dass die Grüppchen häufig homogen sind und schön in Männlein und Weiblein getrennt sind, außer es handelt sich um Liebespärchen. ;-)

Die Plaza ist nicht nur Kommunikationszentrum sondern auch Flaniermeile. Sehen und gesehen werden steht mit dem Plaudern an höchster Stelle. Man schlendert hin und her, grüßt hier und da, bleibt ab und zu mal stehen, um zu plaudern und schlendert weiter. Ernsthafte Gespräche oder Diskussionen werden nicht geführt, sie sind Tabu. (Man will nicht wissen, wie es dem anderen wirklich geht.) Beim Flanieren auf der Plaza geht es nur um Zeitverteib und darum Freunde und Bekannte zu treffen. Man verabredet sich auch nicht, denn es ist ja klar, dass man seine Leute auf der Plaza trifft. Eine Einladung nach Hause ist unüblich.

Natürlich hab ich das ganze Prozedre hier ein bisschen überspitzt dargestellt. Und natürlich ist nicht nur die Plaza sondern auch die Avenida und an den Küsten die Strandpromenade ein beliebter Treffpunkt der Spanier zum Austausch, zum Flanieren und zum Präsentieren. Besonders am späten Sonntagnachmittag kommt diese "Tradition" einem Familien- bzw. fast schon Volksfest gleich, das man nicht verpassen sollte!

Die Bar - das spanische Wohnzimmer
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Im Prinzip hat die Bar eine ähnliche Funktion, wie die Plaza. Mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass sie einen Tresen und ein Dach hat. El bar ist Kommunikationszentrum, Wohnzimmer, Wartehalle und Imbissstube. Hier trifft man sich bereits zum Frühstück und trinkt dort spätabends noch seinen letzten Nachttrunk.

In der Regel öffnet eine Bar bereits gegen 8.00/9.00 Uhr morgens mit dem ersten Ansturm der Frühstücksgäste. In der Tat frühstückt ein Spanier selten zu Hause, wenn er denn überhaupt frühstückt. Auch in der Bar gibt es kein ausgedehntes Frühstück, sondern es wird schnell am Tresen ein café solo oder café con leche mit Gebäck, einem Toast oder evtl. einem churros (frittiertes, sehr süßes Gebäck) zu sich genommen und schon gehts weiter. Dann wird es erst mal ruhig in der Bar. Bis auf ein paar Pensionistas, die dort ihren Tag vertreiben.

Gegen 11.00/12.00 Uhr wird es dann wieder etwas voller. Jetzt kommen die, die vor dem Mittagessen gegen 14.00 Uhr noch einen kleinen Imbiss brauchen und sich mit einem bocadillo oder einer tapa den kleinen Hunger bis zum Mittagessen überbrücken. Natürlich darf man nicht die Hausfrauen vergessen, die nach ihrem Vormittagseinkauf eine kurze Rast in der Bar machen und bei einem café (solo/con leche) oder einem vino (Wein) kurz verschnaufen (das wäre früher übrigens undenkbar gewesen!).

Hat die Bar einen comedor (Speisesaal), verlagert sich das Geschehen zur Mittagszeit gegen 14.00 Uhr vom Tresen in den Speisesaal. Hat sie keinen, wird es in der Bar erst mal ruhig.

Am späten Nachmittag gegen 17.00/18.00 Uhr wird es dann wieder voller. Man trifft sich zu einem aperitivo - vino (Wein) oder cerveza (Bier) und einer kleinen tapa. Jetzt kommen sie alle: die Männer, die (Haus-)Frauen (von ihrem Nachmittagseinkauf), die Söhne und die Töchter. Der Feierabend beginnt und man stärkt sich noch schnell mit einem Drink, bevor es nach Hause zum Abendessen geht.

Nach dem Abendessen gegen 21.30/22.30 Uhr geht es dann nochmal in die Bar. Man bleibt jedoch nicht lange, sondern wechselt weiter, wie sollte es auch anders sein, zur nächsten Bar.

Besonders für die Männer ist el bar ein wichtiges (Kommunikations-)Zentrum. Hier wird getratscht und diskutiert, natürlich über Sport und Politik. Auch wichtige Fußballspiele oder andere große Events werden zusammen auf dem Großbild-Fernseher in der Bar angeschaut. Kein Spanier schaut solche wichtigen Ereignisse auf seinem eigenen TV alleine zu Hause.


Aktualisiert: 20.01.2006


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